Die Kunst des Anfangens
«In jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
der uns beschützt und der uns hilft zu leben.»
Aus dem Gedicht «Stufen» von Hermann Hesse (1877–1962)
Ich tauche mit meinen Gedanken in eine Feldenkrais-Stunde ein als Synonym dafür, wie der Moment des Anfangens sei könnte. Wir kennen das Thema der Stunde nicht und wir haben auch nicht die Aufgabe, ein vorgegebenes Ziel zu erreichen. Wir haben aber unsere eigene Situation und unsere eigenen Fragen – und das ist Thema genug.
Hinter uns liegt unser Erlebtes; Altes klingt aus, Neues kann beginnen.
Im Still-Werden beginnen sich die Kräfte zum Untergrund hin zu ordnen – wir müssen nur warten.
Unsere Wahrnehmung schärft sich und wir gelangen in einen Zustand, der uns frei macht von dem, was uns beschäftigt.
Neugier kommt auf: vielleicht passiert etwas noch nie Dagewesenes, etwas Grossartiges; vielleicht bekommen wir Antwort auf unsere Fragen.
Unsere Ohren sind gespitzt, wir fühlen und etwas kribbelig.
Vielleicht sind wir auch ein bisschen ängstlich, so wie am ersten Schultag, wo wir auch nicht wussten, was auf uns zukommt und doch neugierig waren, was denn in dieser Schule alles passieren würde.
Das ist der Moment von Offenheit und Motivation!
Wir lassen uns ein auf die vorgeschlagene Bewegung, gestalten diese nach eigenem Vermögen; wir lernen unser Tun zu beurteilen und zu verstehen. So gehen wir vom Einen ins Andere. Unsere Neugier bleibt wach.
Vielleicht stehen wir danach etwas verdattert auf, wissen im Augenblick nicht, was mit uns passiert ist. Wir brauchen Zeit.
Vielleicht ist ein Traum in Erfüllung gegangen!
Bewegung ist physisch und eine messbare Grösse; sie wirkt auf unser ganzes Selbst, darauf wie wir handeln, was wir fühlen und wie wir uns in der Welt bewegen.
Und so legen wir uns bei der nächstbesten Gelegenheit erneut auf die Matte und erwarten, dass wir Antwort bekommen auf unsere Fragen.